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Los geht's

Im Osten viel Neues

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Der Frankfurter Osten verändert sein Gesicht. Das liegt auch an der EZB, in deren Windschatten neue Wohnungen, Büros, Hotels, Parks und Cafés entstehen. Der Wandel hat Gewinner und Verlierer.

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Johny Beruk zieht den grünen Samtvorhang zur Seite und öffnet zwei mannshohe Stahltresore. Einst deponierten hier die Händler von der Großmarkthalle ihre Einnahmen. Heute schimmern Whiskey-Flakons in den Regalen. Vor kurzem hat Beruk in der ehemaligen Bank direkt gegenüber der Markthalle seine Bar eröffnet - benannt nach dem Bankräuber Jesse James. Eine Parodie auf die Vergangenheit, erklärt der neue Inhaber.

"Ich habe meine Zelte hier aufgeschlagen, weil ich den Ort nach dem Bau der EZB so spannend finde", sagt Beruk. Ein Viertel im Wandel: Johny Beruk sieht darin eine Chance - viele andere auch.

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Kein Gebäude
verdeutlicht den Wandel des Frankfurter Ostends mehr als der Neubau der Europäischen Zentralbank. Wo früher mit Obst und Gemüse gehandelt wurde, wird jetzt der Leitzins festgelegt.


Zwei 165 und 185 Meter hohe Türme durchbohren die 250 Meter lange ehemalige Großmarkthalle. Das verantwortliche Architektenteam Coop Himmelb(l)au spricht von "einer dreidimensionalen Ikone für die EU". Kosten: 1,2 Milliarden Euro. Das Gebäude bietet Arbeitsplätze für 2.900 Menschen.  Das gesamte Areal ist zwölf Hektar groß.

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Zeitraffer-Video:
Vier Jahre dauerten die Bauarbeiten.

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Und die Kräne kreisen weiter. 
Die Baumaschinen rattern. Rund um die EZB ist einiges in Bewegung. Gebaut werden Wohnungen, Kitas, Kinos, Büroräume und Hotels. Auf rund ein Dutzend Großbaustellen wachsen neue  Quartiere gen Himmel. Das ehemalige Arbeiterviertel wandelt sich in Windeseile.


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Die Großbaustellen tragen

klangvolle Namen:
Eastside-Quartier,
Hafenpark-Quartier,
Mayfarth-Quartier.
Alleine auf dem Honsell-
Dreieck
entstehen 500
neue Wohnungen.


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Das frühere Edelbordell Sudfass ist bereits abgerissen. Dort entstehen Wohnungen und das Boardinghaus "Oskar Residence" mit 70 Apartments. Eine leicht bekleidete Dame erinnert an die Vergangenheit.

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Thuy Ly ist eine der neuen Nachbarn der EZB. Eigentlich kommt sie aus Vietnam. Im Ostend hat die Datenadministratorin ihre neue Heimat gefunden. Zur Zeit ist sie in Elternzeit. Die neuen Spielplätze gefallen ihr besonders gut. Alles sei so sauber. "Mir gefällt die Mischung hier", sagt sie. Nicht so schick wie im Westend, aber auch nicht grau. Einer ihrer Lieblingsorte ist die Eisdiele von Mark.

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Mark Begley kommt aus Hawaii. Doch nach seiner Zeit als Soldat blieb er in Deutschland. Eigentlich ist er Bauingenieur.  Vor zwei Jahren eröffnete er eine italienische Eisdiele direkt gegenüber der EZB. "Ich liebe dieses Viertel", sagt der 43-Jährige. Das Ostend sei so lebendig. "Es ist das neue New-York-Chelsea", schwärmt er.

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Nicht nur Marks Eisdiele ist neu im Viertel. Neue Restaurants haben sich überall im Ostend angesiedelt. Das vielleicht markanteste ist das "Oosten" an der Ruhrorter Werft. Früher wurden hier die Kohlen zum Heizen für die Frankfurter Haushalte von den Schiffen verladen. Heute lädt gehobene Gastronomie zum Verweilen ein. Der Lastkran steht noch.

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Einer, der die Entwicklung im Ostend seit Jahren vorantreibt, ist Ralph Haerth von "Eastside Frankfurt". Der Standortinitiative gehören Projektentwickler und Investoren an. "Das Ostend verändert sein Gesicht derzeit von Monat zu Monat", sagt Haerth, der selbst im Ostend aufgewachsen ist. Manchmal sei er auch etwas wehmütig. Aber es gebe keine Alternative. "Ein Stadtteil ist keine Gartenlaube." Ohne die EZB hätte es etwa auch keinen Hafenpark gegeben, sagt er.

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Sportfelder, Spielplätze, Trimmdichgeräte und eine große Skaterbahn. Acht Millionen Euro ließ sich die Stadt den neuen Hafenpark kosten.  Nicht nur samstagnachmittags ist hier viel los. Ein "Place to be" nennt ihn eine Frankfurter Tageszeitung.

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Sebastian kommt fast jeden Tag mit seinem BMX-Rad von Frankfurt-Niederrad ins Ostend. Auf der Skaterbahn trifft der 17-jährige Schüler seine Freunde. "Die BMXler hängen mit den Skateboardern ab. Wir kennen uns alle", sagt er. "Es gibt nie Stress."

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Sam Hamburger ist Anfang des Jahres ins Ostend gezogen. Der 23-jährige Fitness-Trainer hat den Hafenpark beim Joggen entdeckt. "Ein wahres Sport-Wunderland", schwärmt er.

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Ein Stadtteil im Umbruch. Das alte Ostend gibt es natürlich noch. Das Alte und Neue stehen oft dicht nebeneinander.

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Viele der Migranten, die früher in Frankfurt ankamen, fanden hier im Osten Arbeit. Nur wenige Meter von den neuen Großbaustellen entfernt liegt der Osthafen. Im Containerhafen und den umliegenden  Fabrikgebäuden arbeiten noch immer rund 8.000 Menschen.


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Mitten drin im Osthafen: die Gastwirtschaft "Zur Insel". Seit 50 Jahren Anlaufstelle für viele Hafenarbeiter und Lkw-Fahrer.

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Seit zwei Jahrzehnten bietet Zehra Gürzoglu in ihrer Wirtschaft "Zur Insel" gute Hausmannskost an. Als sie anfing, sei das Ostend ein schönes Dorf gewesen. Das habe sich geändert, sagt sie. Alles so modern, überall gebe es Zäune.

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Die Mieten seien ein richtiges Problem geworden, sagt Insel-Chefin Zehra Gürzoglu. "Normale Arbeiter können doch nicht 1.400 oder 1.500 Euro zahlen", sagt sie. "Arme Leute wird es hier bald nicht mehr geben."

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Sue Opfermann reicht es. "Das Viertel hat kein Herz mehr", sagt  die Inhaberin von "Sue’s Soulkitchen". "Früher waren wir eine Riesenfamilie. Jetzt geht es nur noch ums Geld". Vor wenigen Tagen hat sie ihr Bistro geschlossen und ist zurück in ihre Schweizer Heimat gegangen.

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Die neuen hippen Bars des Ostends versprechen eine Heimeligkeit, die Anna Satvary  verloren hat. Auf dem Gelände der Großmarkthalle hat  sie einst Fahrradfahren gelernt. Die Nachbarskinder kannten sich. "Heute sehe ich jeden Tag neue Gesichter", sagt die Metzgermeisterin. Sie habe gesehen, wie sich die neuen Bewohner  über die Armen der nahe gelegenen Caritas-Station aufregten. "Das kennzeichnet die neuen Mitmenschen hier", sagt Satvary. "Die kommen hierher, weil es eben gerade hip ist. Aber alles, was das alte Ostend ausmacht, wollen sie lieber beiseite schieben."

Anna Satvary wird mit ihrer Familie das Viertel verlassen und nach Offenbach ziehen.



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Ortsvorsteher Bodo Pfaff-Greiffenhagen ist stolz - einerseits. Als er zum ersten Mal einen Reporter vor der neuen EZB in der "Tagesschau" sah, sagte er zu seiner Frau: "Wahnsinn: Mein Ostend um acht Uhr in den Welt-Nachrichten." Doch andererseits ....


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Da gibt es diese "Kutscherklause". Für Ortsvorsteher Bodo Pfaff-Greiffenhagen ist die Wirtschaft ein tolles  Kleinod. Es wäre schade, wenn es das einmal nicht mehr gäbe, sagt er.  Denn einen Wunsch hat der Ortsvorsteher. "Die neuen Bewohner im Ostend sollten Verständnis haben für das, was sie vorfinden und erkennen, dass es Erhaltenswertes gibt.
"

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Doch die Entwicklung ist wohl kaum aufzuhalten. Das Ostend verändert sich von Tag zu Tag.  Das Viertel rückt immer mehr an die Innenstadt heran. Booming Ostend.





Fotos: Andreas Bauer, hr-online (23)
 dpa (2)

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