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Schulalltag DDR

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Wir sind die Schüler und Schülerinnen der Adolf-Reichwein-Schule in Neu-Anspach im Hochtaunuskreis. Für das hr-Projekt „Grenzenlos – Einheit und Freiheit in Hessen“ haben wir uns die Frage gestellt:

Schule in der DDR – wie war das damals? Nach Zeitzeugen mussten wir nicht lange suchen, denn wir hatten einen direkt vor unserer Nase: Unsere Lehrerin Annegret Müller.

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Erinnerungen an den Fahnenappell

"Wie war das damals für Sie, Frau Müller?" Unsere Lehrerin erinnert sich.

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Annegret Müller wird am 14.06.1980 in Jena geboren. Ihre Mutter hat Medizin studiert, der Vater ist Chemiker. Aufgewachsen ist sie in Waltershausen, einer kleinen Stadt am Rande des Thüringer Waldes.

1987 findet die feierliche Einschulung Annegret Müllers in die POS „GutsMuths“ Walterhausen statt. Diese besucht sie bis 1990. Ihre Eltern arbeiten bis zur Wende im FDGB Erholungsheim „August Bebel“ sowie im VEB Gummiwerk „Werner Lamberz“.

Nach der Wende arbeitet Ihr Vater in einem großen Gummiunternehmen in Wuppertal, sie bleibt zusammen mit Ihrer Mutter in Waltershausen. Dort geht sie ab 1991 in das staatliche Gymnasium „Salzmannschule Schnepfenthal“ und absolviert 2000 ihr Abitur. Eine schulische Unterbrechung gibt es in den Jahren 1996/1997 in denen sie zu einem Auslandsjahr in den USA verweilt.

Nach dem Abitur beginnt das Lehramtsstudium an der „Friedrich-Schiller- Universität Jena“ in den Fächern Sport- und Politikwissenschaften. Seit 2010 ist Annegret Müller an der Adolf-Reichwein-Schule in Neu-Anspach tätig.

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Der Fahnenappell in der DDR

Wir haben ihn nachgestellt.

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Beim Fahnenappell in der DDR herrschte eine sehr strenge Kleiderordnung. Von der ersten bis zur vierten Klasse zählte man zur Gruppe der Jungpioniere, bis zur siebten zu den Thälmannpionieren.

Alle Pioniere trugen eine einheitliche Kleidung, die aus einer blauen Hose bzw. Rock und einem weißen Pioniers-Hemd mit dem Emblem der Organisation bestand. Den Hals der Jungpioniere zierte ein blaues Halstuch, bei den Thälmannpionieren war dieses rot. Die drei Ecken des Halstuches stehen für Schule, Elternhaus und die Pionierorganisation. Durch die Knoten wird deren feste Verbundenheit verdeutlicht. Die Kleidung der FDJler bestand aus einem blauen FDJ-Hemd und einer blauen Hose.
 
Das Hemd bzw. die Bluse besitzt Klappkragen, Schulterklappen und Brusttaschen. Auf dem linken Ärmel war das FDJ-Symbol der aufgehenden Sonne aufgenäht. Ab 1970 gab es auch offizielle Aufnäher, die am FDJ-Hemd getragen wurden

Bildquelle: picture alliance / (c) dpa

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Ein wichtiges Element beim Fahnenappell war die DDR Fahne. Diese wurde bei jedem Fahnenappell gehisst und um sie wurde sich versammelt. Die Flagge der Deutschen Demokratischen Republik bestand aus drei waagerechten Streifen in den traditionellen deutsch-demokratischen Farben Schwarz-Rot-Gold.

In der Mitte war das Staatswappen der DDR zu sehen, bestehend aus Hammer und Zirkel, umgeben von einem Ährenkranz als Symbol des Bündnisses von Arbeitern, Bauern und Intelligenz. Hammer und Ährenkranz sind das Zeichern des Arbeiter-und-Bauern-Staates. Der Zirkel steht auch für die Menschenliebe und umfassender Menschlichkeit.

Bildquelle: picture alliance / (c) dpa

Musik-Quelle: hr-Musik-Archiv

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"Für Frieden und Sozialismus, seid bereit!"

Fahnenappell jp biehla
Pionierorganisation Ernst Thälmann, großer wöchentlicher Fahnenappell in der Polytechnischen Oberschule (POS) Elsterwerda-Biehla (ca. 1960)
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Ablauf:
Die Zeremonie folgte militärischen Regeln; so wurde ein-, bzw. ausmarschiert und Kommandos wie „Augen geradeaus“, „Links um“ oder „Still gestanden“ verwendet. Insbesondere wurde ein Fahnenkult durchgeführt, der im zeremoniellen Hereintragen der Pionier- und FDJ-Fahne durch ein „Fahnenkommando“ bestand.

Die Fahnen wurden mit dem „Pioniergruß“ bzw. dem FDJ-Gruß gegrüßt und standen während des Appells als höchste Autorität im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Bei dem Gruß streckt man die offene Hans so vor das Gesicht, dass der Daumen zur Nase, der kleine Finger zum Himmel zeigt.

Der Appell war erst beendet, nachdem das Fahnenkommando auf zeremonielle Weise die Fahnen wieder ins Pionierzimmer oder einen anderen „würdigen“ Aufbewahrungsort zurückgebracht hatte.

Zum Fahnenappell stellten sich alle Klassen auf dem Schulhof auf.


Kommandos, Trommelwirbel und Musik rahmten die Ansprachen oder Würdigungen sehr guter Schüler seitens des Schuldirektors oder Pionier- und FDJ-Leiters ein.
Am Ende war die gehissten Fahnen an den Fahnenmasten zu sehen.  


Wann:

Fahnenappelle fanden zu besonderen Anlässen statt, z.B. vor der Vergabe der Endjahreszeugnisse, zur Eröffnung des Internationalen Kindertages oder zum Gedenken an Kommunisten. 

Der Fahnenappell war fester Bestandteil im Schulalltag der DDR, obwohl er sehr verschieden eingesetzt wurde. Je nach Schulleitung fanden sie mehr oder weniger häufig statt, denn es gab hier einen gewissen Spielraum.


Gruppen:

Die Gruppen bestanden aus den einzelnen Klassen.

Wo:
Lehrer und Schüler versammelten auf dem Schulhof, in der Aula oder in der Turnhalle zu einer Zeremonie.


Aufstellung:
Jede Pionierklasse besaß einen Klassenwimpel. Die stellvertretenden Vorsitzenden der Jungpionier- oder Gruppenräte standen mit dem Wimpel in der 1. Reihe ihrer Klasse. Der Wimpel bestand aus einer ca. 2 Meter hohen Fahnenstange und einer blauen Fahne mit dem Symbol der Jugendorganisation. Meist hingen an ihm kleine Wimpel, die den Klassen als Auszeichnungen verliehen wurden.

Quellen:
Bild 1: Bundesarchiv, Bild 183-L0901-0021 / CC-BY-SA 3.0
Bild 2:Lutz Bruno, gemeinfrei

Fahnenappell jp biehla
Pionierorganisation Ernst Thälmann, großer wöchentlicher Fahnenappell in der Polytechnischen Oberschule (POS) Elsterwerda-Biehla (ca. 1960)
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Überwachung im Schulunterricht

Freie Meinung mit Konsequenzen. Annegret Müller erinnert sich an Situationen als Schülerin, in denen es gefährlich war, die Wahrheit zu sagen.

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In dem Schulfach Staatsbürgerkunde wurde den Schülern die Voraussetzungen eines "guten" Staatsbürgers beigebracht. Ab der 7. Klasse wurden sie zu staats- und parteitreuen Bürgern erzogen. Zu dem einheitlichen sozialistischen Bildungssystem der DDR gehörte unter anderem das Wissen über den Staatsaufbau sowie die Rechte und Pflichten eines DDR-Bürgers, was im Staatsbürgerkundeunterricht vermittelt wurde. Wer widersprach musste, mit ernsten Konsequenzen rechnen.

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Wie war früher eigentlich der Geographieunterricht aufgebaut? Wurden die Themen, die behandelt wurden, durch die Zeit der DDR, beeinflusst? Deswegen haben wir, aus einem damaligen Geographiebuch Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgesucht.

Schon auf den ersten Seiten des DDR-Schulatlanten wird die Entwicklung der Welt gezeigt. Immer auch dabei: Anteil der sozialistischen Staaten.

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Schon auf den ersten Seiten wird deutlich, dass die Politik der DDR, bzw. der UdSSR hervorgehoben wird. In vielen Texten lässt sich eine politische Motivation erkennen und die Arbeit der Regierung wird sehr oft gewürdigt.

Quelle: Prof. Dr. sc. Hans Kugler: Geographie 9, Berlin (Volk und Wissen) 1984, S. 9

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Obwohl Klima eigentlich ein internationales Thema ist, wurde oft nur die DDR thematisiert.


Quelle: Prof. Dr. sc. Hans Kugler: Geographie 9, Berlin (Volk und Wissen) 1984, S. 18

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Der Schriftzug Mitteleuropa ist nach heutigem Verständnis nicht wirklich über Mitteleuropa, sondern eindeutig weiter östlich.


Quelle: Prof. Dr. sc. Hans Kugler: Geographie 9, Berlin (Volk und Wissen) 1984, S. 22

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Die Legende unterscheidet sich fast nicht von heutigen, doch es fällt auf, dass als Beispiel immer nur ostdeutsche Städt.

Und fällt auf: Erst auf den zweiten Blick können wir teilweise erst erkennen, wie der Erdkundeunterricht durch die Politik der ehemaligen DDR beeinflusst wurde.

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„Jedermann an jedem Ort - einmal in der Woche Sport“

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Michael Schneider vom Schulmuseum in Nürnberg zeigt Handranaten-Attrappen für Weitwurfübungen, die im Schulsport der DDR zur vormilitärischen Ausbildung dienten.
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Zu Beginn des Sportunterrichts bläst der Sportlehrer in eine Pfeife und ruft den Schülern „Still gestanden“ zu. Darauf stellen sich alle Schüler gleichmäßig an einer Linie auf. Zu beachten ist stramm zu stehen, nicht überzutreten und keinen Abstand zur Linie frei zu lassen.

Der Sportlehrer begrüßt die Schüler mit einem kräftigen „Sport“, worauf die Schüler rufend im Chor mit „Frei“ antworten. Daraufhin folgt eine von dem Sportlehrer angeordnete „Erwärmung“, die je nach Vorgaben des Sportlehrers circa zehn Minuten in Anspruch nimmt.

Dabei laufen die Schüler und Schülerinnen geordnet in Zweierpaaren Runden. Diese Art der Begrüßung wird teilweise noch heute in manchen neuen Bundesländern wie z.B. Sachsen in der Sekundarstufe 1 verwendet.  

DDR Sportarten und Funktionen


Sport im Generellen wurde in der DDR stark gefördert. So auch in der Schule. Dort bildeten sich nämlich Schulsportgemeinschaften, in denen gezielt nach sportlichen Talenten Ausschau gehalten wurde. Die Besten kamen dann, nach einer so genannten „Sichtung“, auf eine Kindersportschule. Außerdem wurde schon damals auch bei jungen Männern sehr auf einen ausgewogenen Körper geachtet.

In der Schule gab es demnach den Vorsatz einer gesunden Lebensweise und eines gesunden Körpers, der mit regelmäßiger Körperpflege, Leibesübung und schöpferischen Kräften durch die Verbindung von Musik, Gesang und rhythmischer Gymnastik unterstützt wurde. Alle sportlichen Aktivitäten mussten draußen stattfinden, außer es war schlechtes Wetter, sodass es nicht anders ging. Der Hauptinhalt der ersten beiden Klassen bestand aus Spielen, Hindernisturnen, Nachahmungsübungen und Darstellungsübungen. In den Klassen drei bis fünf ging dies dann zu Spiel und Spielturnen über.

Dabei wurde auf die Anregung des Kreislaufs und Stärkung der Organe geachtet. Hinzu kam auch noch die Einführung in den Ski, Eislauf und dem Schwimmen. Bewegungsarten, wie Leichtathletik und Geräteturnen sollen in Klasse 6 bis 8 erlernt werden. Dort wurde Geschicklichkeit und Leistungen unter Beweis gestellt. In der 8. Klasse kam dann auch noch das Rudern mit hinzu. In der 9. bis 12. Klasse wurde dann auf den Ausbau der Form geachtet.

Nachdem sich der Körper entwickelt hatte, wurde die persönliche Höchstleistung der Schüler angestrebt. Durch Wettspiele mit verschiedenen Ballarten, wie z.B. Fußball und Handball, sollte eine Gemeinschaft entstehen. In den übrigen Disziplin (Leichtathletik, Schwimmen, Geräteturnen, Rudern und winterliche Leibesübungen) kam es dann zur End Form und es wurde nochmal alles herausgeholt.

Quelle:
Bild 1: Bundesarchiv, Bild 183-L0901-0021 / CC-BY-SA 3.0

Bild 2: picture alliance / (c) dpa

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Michael Schneider vom Schulmuseum in Nürnberg zeigt Handranaten-Attrappen für Weitwurfübungen, die im Schulsport der DDR zur vormilitärischen Ausbildung dienten.
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Wir sind die G10a der Adolf-Reichwein-Schule in Neu-Anspach. Eigentlich fing alles mit Frau Müller an. Wir haben sie oft im Unterricht ausgefragt: Wie war das damals als Schülerin in der DDR? Die Lieder, die Kleidung, der Drill - das alles kam uns nicht nur seltsam, sondern auch an manchen Stellen sehr lustig vor.

Durch das Projekt haben wir gelernt: die DDR war alles andere als lustig. In einer Diktatur zu leben, macht keinen Spaß! Und: Wie frei wir doch jetzt als Schüler sind! Wir können anziehen, was wir wollen und kommen wegen einer anderen Meinung im Unterricht nicht zum Direktor oder kriegen Probleme nach der Schule.
Und das finden wir auch gut so.



Mediencoach: Dunja Sadaqi

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